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Projekte und Ausschreibungen

Offener Brief an das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Der Vorstand hat auf seiner letzten Vorstandssitzung beschlossen, anlässlich der Veränderungen in der Kursstufe einen Brief an die Ministerin zu richten. Damit treten wir ein für die Erhaltung und Stärkung der Stellung der Gesellschaftswissenschaften, ebenso werden Vorschläge für die zukünftigen mündlichen Abiturprüfung vorgelegt.

Brief an die Kultusminsterin Frau Dr. Eisenmann (PDF)

SWL – Rückmeldung zum Bildungsplan 2016, Geschichte

Wir bedanken uns bei der Kommission für die gründliche Arbeit und das sehr differenzierte Ergebnis.

Die Sammlung folgender Rückmeldungen zum Bildungsplan 2016 geht auf die vom SWL durchgeführten Veranstaltungen zum Bildungsplan unter Beteiligung von Kommissionsmitgliedern zurück und ebenso auf uns zugegangene schriftliche und mündliche Rückmeldungen von Mitgliedern.

Wir würden uns freuen, wenn in dem insgesamt gelungenen Bildungsplan noch Korrekturen möglich wären.

Allgemeine Überlegungen

Es wird begrüßt, dass der Fortschreibungscharakter überwiegt und kein Paradigmenwechsel erfolgt.

Das erkennbare fachdidaktische Konzept bildet ein hervorragendes Arrangement. Die Grundlagen Kompetenzorientierung, Problemorientierung, reflektiertes Geschichtsbewusstsein und insbesondere Historisches Denken sind sinnvoll ausgewählt und dargestellt, dies entspricht dem aktuellen Stand der Diskussion. Dies zeigt auch die herausgehobene Stellung der Kompetenzen „Rekonstruktion“ und „Dekonstruktion“. Die prozessbezogenen Kompetenzen sind sinnvoll und hilfreich konkretisiert, das wird als sehr gute Arbeit geschätzt.

Fragen wurden aufgeworfen zur Aufnahme der Reflexionskompetenz und deren Ausgestaltung. Das geht über die aktuell vorliegenden Modelle hinaus und wird in der vorliegenden Form weitgehend mit Elementen der Orientierungs- und der Methodenkompetenz gefüllt. Das wäre eine unnötige Doppelung und eine fragliche Zuordnung, stattdessen fehlen Hinweise darauf, etwa die Konstruktivität von Geschichte zu reflektieren, wenn Reflexionskompetenz, dann wäre dies der Ort dafür. Explizite Hinweise auf Strukturmerkmale des historischen Denkens fehlen oder sind unvollständig (Konstruktivität, Retrospektivität, Selektivität). Es wäre sinnvoll dies explizit aufzuführen, da es sich für viele um ein in der Schule relativ neues Konzept handelt.

Der Begriff „inhaltsbezogene Kompetenzen“ wird nicht erklärt, so kann nicht geklärt werden, ob er im Gegensatz zu dem bisherigen Kompetenzbegriff steht.

Durchgehend negativ vermerkt wird die Stofffülle, erschwert werden dadurch der Lebensweltbezug, die Kompetenzorientierung und das Einüben in das historische Denken. Das gymnasialspezifische sollte sich qualitativ, nicht quantitativ zeigen. Es besteht die Gefahr eines „Erwähnungsunterrichts“, anstatt „historisches Lernen“ zu ermöglichen.

Zum Teil handelt es sich zwar um inhaltlich sinnvolle Ergänzungen, aber auch um wirkliche Stoffausweitungen.

Der Zeitansatz von 76 Unterrichtsstunden in einem zweistündigen Fach scheint nicht gerechtfertigt und entspricht nicht den Erfahrungen in der Schulpraxis.

Konkrete Beobachtungen

Gelungenes                                                                         Einwände

Wiederaufnahme der Altsteinzeit
Anforderungsbereich 3 durchgehend, bereits in den unteren Klassen umgesetzt
Synopse und Zeitleistezur Unterstützung und Orientierung
Vernetzung und Verweise
Konkretisierung der inhaltsbezogenen Kompetenzen Gängelung?Welche Möglichkeiten bleiben zur eigenen Gestaltung?

Freiräume?

Fenster zur Welt,Stärkung der globalgeschichtlichen Perspektiven Weitgehende Verkürzung auf eine Doppelstunde zwingt zur oberflächlichen BehandlungFragwürdige Umsetzung des Globalisierungskonzeptes

Vernachlässigung ganzer Regionen (Südamerika, Afrika), andererseits werden klassische bereits vorhanden Themen hier eingeordnet/umgewidmet:

3.2.2 Expansion Europas

3.2.3. Amerikanische und Französische Revolution

3.2.4 Auswanderung nach Amerika

Insgesamt z.T: nicht originell

und willkürlich ausgewählt

Globalgeschichte in Klasse 10(Fremde Räume)

– Schülerinteressen werden berücksichtigt

– neue globalgeschichtliche Ansätze der Wissenschaft werden berücksichtigt

– für Schüler mit Migrationshintergrund bestehen Anknüpfungsmöglichkeiten

– Kategorie Imperium untauglich zur Erschließung, besser wäre Modernisierung- heterogene Kriterien bei der Auswahl (aktuelle Bedeutung von China, ehemalige Bedeutung von Russland, Herkunftsland Türkei)

– Empfehlung: Modularisierung der Themen und Auswahlmöglichkeit

Konzept der Kursstufe, in Grundlagenwissen und Vertiefung 2- und 4 stündiger stark angenähert,2 stündiger dadurch zu voll, fast wie der 4-stündige, keine hinreichende Differenzierung

Fazit: 2-stündiger Kurs sollte entlastet werden

Neue Themen wecken Interesse Führen zur Überfrachtung(italienische Nationalstaatsbildung,

französische Geschichte – hier fehlt die Grundlage für einen sinnvollen Vergleich

Sowjetkommunismus im Vergleich der Herrschaftsmodelle)

da eine gleichzeitige Kürzung nicht erkennbar ist

Gelungene prozessbezogene Kompetenzen Unklare inhaltsbezogene Kompetenzen
Historisches Denken lernen steht im Zentrum
Regionalgeschichte – Landesgeschichte kommt zu kurz
Fraglich bleibt, ob in allen Fällen eine offene Beurteilung angestrebt wird

Einzelbeobachtungen:

  • Die Altersgemäßheit scheint nicht beachtet, wenn die Französische Revolution in Klasse 7 behandelt werden soll. Es wird befürchtet, dass hier entscheidende Strukturen nicht umgesetzt werden können.
  • die Reformation findet nicht 1517 statt, sie beginnt in diesem Jahr,

Formulierungsvorschlag: 1517 Beginn der Reformation

Unser gemeinsames Interesse ist es, auf reflektiert errichteten Grundlagen, guten Geschichtsunterricht zu gewährleisten. So verstehen wir auch die Arbeit der Kommission, bei der wir uns hiermit auch bedanken wollen.

Für den SWL

Roland Wolf

Professor

  1. Vorsitzender des SWL